Die Qualität eines sicheren und attraktiven Schwimmunterrichts ist abhängig von der Fachkunde der Lehrkräfte und von den eingesetzten Unterrichtsmaterialien. Die bereitgestellten Unterrichtshilfen bestehen aus einer Erläuterung und Beschreibung der Schwimmtechnik mit Lehrvideos sowie Film- und Textinformationen zur Methodik.
Zusätzlich liegen Arbeitskarten, Beobachtungs- und Korrekturhilfen vor.
Technik
Erläuterungen
Die Kraulschwimmtechnik zählt wegen ihrer alternierenden Antriebsbewegungen zu den Wechselschlag/-zugschwimmarten.
Charakteristisch für das Kraulschwimmen ist das Hin- und Herrollen um die Körperlängsachse. Das Rollen unterstützt auf einer Seite das „schulterfreie“ Vorschwingen des Armes über Wasser. Auf der anderen Seite wird das Vorschieben des Antriebsarmes nach dem Eintauchen mit der nachfolgenden Antriebsbewegung unterhalb der Körperlängsachse begünstigt.
Die Körperlage im Wasser ist durchgängig flach, mit einem leichten Anstellwinkel zur Wasserfläche – Kopf und Schultern liegen etwas höher als die Hüfte –, damit die Beine wirksam im Wasser für Antrieb sorgen können.
Zur Einatmung wird der Kopf leicht zur Seite gedreht; so bleibt die flache Körperlage erhalten. Das Drehen des Kopfes wird durch das Rollen des Körpers um die Längsachse unterstützt.
Die Fortbewegung wird hauptsächlich mit dem wechselseitigen Antrieb durch die Arme und Hände bewirkt.
Der Armantrieb ist in eine Zug- und Druckphase (Unterwasserphase) und in die Vorschwungphase über Wasser (Überwasserphase) strukturiert. Die Antriebsbewegung unter Wasser wird in einem kurvigen und S-förmigen Muster durchgeführt. So findet die Hand durch die hierbei entstehenden Umströmungseffekte einen besseren Halt (Lifteffekte) für den Abdruck im Wasser.
Der mit hohem Ellenbogen und daher körpernah durchgeführte Vorschwung der Arme über Wasser unterstützt die geradlinige Körperlage und erleichtert das Seitdrehen des Kopfes zur Einatmung. Beide Arme wechseln sich in der Antriebs- und Vorschwungphase ab, wobei die Vorschwungphase über Wasser schneller als die Antriebsphase im Wasser verläuft. Der Antrieb der linken Hand beginnt, wenn die rechte Hand in die Druckphase übergeht.
Der Armantrieb wird normalerweise durch einen rhythmischen Beinschlag von sechs Beinschlägen pro Armzyklus unterstützt.
Die locker gestreckten Beine sind leicht eingedreht (die großen Zehen zeigen zueinander) und schlagen im Wechsel auf und ab. Fuß- und Kniegelenke sind locker und werden jeweils gegen die Schlagrichtung gestreckt und gebeugt. Der Abwärtsschlag wird durch die Abwärtsbewegung des Oberschenkels eingeleitet, wobei der letzte Kick mit überstrecktem Fußrücken mit der Bewegungsumkehr des Oberschenkels nach oben zusammen fällt
Kraulschwimmen ist die schnellste der aktuellen Sportschwimmarten.
Gründe für das frühzeitige Lernen und Üben der Technik Kraulen sind u. a.:
- Die Attraktivität, die den Lernprozess motivierend beeinflussen kann.
- Kraulschwimmen hat viele Bewegungsgemeinsamkeiten mit anderen Schwimmarten, z. B. mit dem Rücken- und Delfinschwimmen.
- Gesundheitliche Aspekte. Die flache Körperlage und die alternierenden Bewegungen entlasten die Wirbelsäule und fördern ihre Beweglichkeit.
- Es gibt im Wettkampfsport keine Einschränkungen durch das Regelwerk.
Methodik
Methodisches Konzept zur Vermittlung der Kraultechnik
Das hier vorgestellte Konzept orientiert sich an der Teillernmethode.
Der komplexe Bewegungsablauf wird in funktionelle Teilbewegungen unterteilt, die separat in Lernschritten vermittelt bzw. erlernt werden. Jede neu erlernte Teilbewegung wird möglichst früh in die bereits vorliegenden und gekonnten oder bekannten Bewegungsschemata des Kraulschwimmens eingebaut bzw. mit ihnen kombiniert:
- das Lernen und Üben der ersten Antriebsbewegung
(ohne besondere Berücksichtigung der Atmung) - das Lernen und Üben der zweiten Antriebsbewegung
(ohne besondere Berücksichtigung der Atmung) - die Koordination von erster und zweiter Antriebsbewegung
(ohne besondere Berücksichtigung der Atmung) - das Lernen und Üben der schwimmartspezifischen Atembewegung in Abstimmung mit dem Armzug
- die Kombination der Atembewegung mit der Gesamtbewegung
Die Teilbewegungen oder Teilziele können mit methodisch geordneten Lernschritten angesteuert werden.
Eine Auswahl von weiteren Übungsformen und Bewegungshilfen für das Techniktraining des Kraulschwimmens
Die Informationen erfolgen durch Anweisungen, Übertreibungen, Anweisungen mit Körper- bzw. Umfeldbezug, bildhaften Vorstellungen (Metaphern), Gefühlen, taktil.
Übungen zur Wasserlage
- Kontrastübungen:
Kopf in den Nacken – Kopf bzw. Kinn zur Brust
(Übungen mit u. ohne Brett ausführen) - Den Kopf/das Gesicht auf das Wasser legen
- In Rückenlage: das Wasser als Kopfkissen nutzen
- In Rückenlage:
Bauch/Hüfte zur Decke drücken (evtl. als Übertreibung) - In Rückenlage:
Das Kinn zur Brust hin beugen (evtl. als Übertreibung) - In Bauchlage:
Das Gesicht auf das Wasser legen und zählen 1,2,3... (Ausatmung) - Die Ohren mit den Oberarmen einklemmen (Übung für die Gleitlage)
- Beinschlag mit gestreckten, gebeugten Beinen (Kontraste)
- Beinschlag 5-6 Zyklen, dann zwei Armzüge anschließen
- Beinschlag in Rückenlage, Brett über die Beine/Knie schieben
Kraulschwimmens
- Wechselzug mit unterschiedlichen Atemrhythmen
- Die Zugphase gestreckt beginnen, dann beugen, während der Druckphase strecken
- Übertriebenes Rollen in Abstimmung mit der Kopfdrehung zur Einatmung
- Über Wasser „Schulter hoch“ u. „Ellbogen hoch“ (Rollen in Verbindung mit Einatmung)
- Kraulschwimmen: sich vorstellen, beim Vorschwingen über einen quer liegenden Baumstamm zu greifen (übt die Rollbewegung: „Schulter hoch“ u. „Ellbogen hoch“)
- „Hühnchenflügel“-Schwimmen (übt die Rollbewegung: „Schulter hoch“ u. „Ellbogen hoch“)
- Enger Tauchzug:
doppelter Kraularmzug – Antriebsbewegung unter Wasser - Einarmig schwimmen (die andere Hand hält ein Schwimmbrett)
- 3-4 Zyklen mit dem rechten Arm, 3-4 Zyklen mit dem linken Arm schwimmen. Der Wechsel findet statt, wenn beide Arme ausgestreckt nebeneinanderliegen.
- Abschlagschwimmen Der Wechsel findet statt, wenn beide Arme ausgestreckt nebeneinanderliegen.
- Die Druckphase betonen (Vorstellungen: „einen Hintermann nass spritzen“, „die Hand fliegt aus dem Wasser“, „ein Gewicht wegwerfen“)
- Das Körperrollen betonen („durch ein Fenster einatmen“ oder „nach dem Aushub schlägt die Handfläche zunächst auf das Wasser ehe sie nach vorne schwingt“)
- Tandem kraulen
(Partner hängt sich an die Beine und lässt sich ziehen) - Übertriebene Vorstellungen für hohen Ellenbogen: „Einen Reißverschluss an der Seite zuziehen“, „die Hand aus der Hosentasche ziehen“, „der Daumen streichelt/kitzelt Hüfte und Rippen“ (Fingerspitzen streifen das Wasser)
- Dicht an der Wand entlang schwimmen (Ellbogen hoch)
- Eintauchbreite übertreiben
(„weit außen eintauchen“ oder „weit nach innen orientieren“)