Sichere Schule – Schwimmhalle

SH

Kraulen/Freistil

 

Die Qualität eines sicheren und attraktiven Schwimmunterrichts ist abhängig von der Fachkunde der Lehrkräfte und von den eingesetzten Unterrichtsmate­rialien. Die be­reit­ge­stell­ten Unterrichtshilfen bestehen aus einer Erläuterung und Be­schreibung der Schwimmtechnik mit Lehrvideos sowie Film- und Text­informa­tionen zur Methodik. Zusätzlich liegen Arbeitskarten, Beobachtungs- und Korrekturhilfen vor.

Arbeitskarten helfen bei der Beschreibung von Techniken. Sie eignen sich gemeinsam mit den Beobachtungs- und Korrekturhilfen hervorragend als visuelles Mittel für die Unterrichtsplanung, -analyse und unterstützen den Technikerwerb von Schülerinnen und Schülern.

Die Beobachtungshilfen können sowohl von Lehrkräften als auch von Schülerinnen und Schülern unterrichtlich eingesetzt werden.

Die Korrekturhilfen dienen der Verbesserung der Schwimmtechnik. In den aufgeführten Übungsbeispielen werden Hinweise zur Technikverbesserung und zum Abbau häufiger Fehler aufgeführt.

Weitere themenverwandte Bereiche:

 

Erläuterungen

Die Kraulschwimmtechnik zählt wegen ihrer alternierenden Antriebsbewegungen zu den Wechsel­schlag/-zugschwimmarten.

Charakteristisch für das Kraulschwimmen ist das Hin- und Herrollen um die Körperlängsachse. Das Rollen unterstützt auf einer Seite das „schulterfreie“ Vorschwingen des Armes über Wasser. Auf der anderen Seite wird das Vorschieben des Antriebsarmes nach dem Eintauchen mit der nachfolgenden Antriebsbewegung unterhalb der Körperlängsachse begünstigt.

Die Körperlage im Wasser ist durchgängig flach, mit einem leichten Anstellwinkel zur Wasserfläche – Kopf und Schultern liegen etwas höher als die Hüfte –, damit die Beine wirksam im Wasser für Antrieb sorgen können.

Zur Einatmung wird der Kopf leicht zur Seite gedreht; so bleibt die flache Körperlage erhalten. Das Drehen des Kopfes wird durch das Rollen des Körpers um die Längsachse unterstützt.

Die Fortbewegung wird hauptsächlich mit dem wechselseitigen Antrieb durch die Arme und Hände bewirkt.

 

Der Armantrieb ist in eine Zug- und Druckphase (Unterwasserphase) und in die Vorschwungphase über Wasser (Überwasserphase) strukturiert. Die Antriebsbewegung unter Wasser wird in einem kurvigen und S-förmigen Muster durchgeführt. So findet die Hand durch die hierbei entstehenden Umströmungseffekte einen besseren Halt (Lifteffekte) für den Abdruck im Wasser.

Der mit hohem Ellenbogen und daher körpernah durchgeführte Vorschwung der Arme über Wasser unterstützt die geradlinige Körperlage und erleichtert das Seitdrehen des Kopfes zur Einatmung. Beide Arme wechseln sich in der Antriebs- und Vorschwungphase ab, wobei die Vorschwungphase über Wasser schneller als die Antriebsphase im Wasser verläuft. Der Antrieb der linken Hand beginnt, wenn die rechte Hand in die Druckphase übergeht.

Der Armantrieb wird normalerweise durch einen rhythmischen Beinschlag von sechs Beinschlägen pro Armzyklus unterstützt.

Die locker gestreckten Beine sind leicht eingedreht (die großen Zehen zeigen zueinander) und schlagen im Wechsel auf und ab. Fuß- und Kniegelenke sind locker und werden jeweils gegen die Schlagrichtung gestreckt und gebeugt. Der Abwärtsschlag wird durch die Abwärtsbewegung des Oberschenkels eingeleitet, wobei der letzte Kick mit überstrecktem Fußrücken mit der Bewegungsumkehr des Oberschenkels nach oben zusammen fällt

 

Kraulschwimmen ist die schnellste der aktuellen Sportschwimmarten.

Gründe für das frühzeitige Lernen und Üben der Technik Kraulen sind u. a.:

  • Die Attraktivität, die den Lernprozess motivierend beeinflussen kann.
  • Kraulschwimmen hat viele Bewegungsgemeinsamkeiten mit anderen Schwimmarten, z. B. mit dem Rücken- und Delfinschwimmen.
  • Gesundheitliche Aspekte. Die flache Körperlage und die alternierenden Bewegungen entlasten die Wirbelsäule und fördern ihre Beweglichkeit.
  • Es gibt im Wettkampfsport keine Einschränkungen durch das Regelwerk.
 

 

Methodisches Konzept zur Vermittlung der Kraultechnik

Das hier vorgestellte Konzept orientiert sich an der Teillernmethode.

Der komplexe Bewegungsablauf wird in funktionelle Teilbewegungen unterteilt, die separat in Lernschritten vermittelt bzw. erlernt werden. Jede neu erlernte Teilbewegung wird möglichst früh in die bereits vorliegenden und gekonnten oder bekannten Bewegungsschemata des Kraulschwimmens eingebaut bzw. mit ihnen kombiniert:

  1. das Lernen und Üben der ersten Antriebsbewegung
    (ohne besondere Berücksichtigung der Atmung)
  2. das Lernen und Üben der zweiten Antriebsbewegung
    (ohne besondere Berücksichtigung der Atmung)
  3. die Koordination von erster und zweiter Antriebsbewegung
    (ohne besondere Berücksichtigung der Atmung)
  4. das Lernen und Üben der schwimmartspezifischen Atembewegung in Abstimmung mit dem Armzug
  5. die Kombination der Atembewegung mit der Gesamtbewegung

Die Teilbewegungen oder Teilziele können mit methodisch geordneten Lernschritten angesteuert werden.

 
Beinschlagübungen am Beckenrand  
Übungsbeispiel 1  
 

Wechselbeinschlag im Sitz auf dem Beckenrand: Weit nach vorne auf den Rand setzen, damit die Oberschenkel ausreichend nach unten schlagen können. Beine/Füße eindrehen. Die Fußrücken drücken betont Wasser nach oben.

Übungsbeispiel 2  
 

Wechselbeinschlag in der Rückenlage: Die Hände greifen von oben am Kopf vorbei in die Rinne. Wenn die Arme zunächst gebeugt bleiben, ist die Übung einfacher. Mit gestreckten Armen nimmt der Körper die Schwimmlage ein. Der Kopf liegt auf dem Wasser auf.

Übungsbeispiel 3  
 

Wechselbeinschlag in der Bauchlage: Eine Hand greift von oben in die Rinne. Die andere Hand stemmt mit den Fingerspitzen nach unten gegen die Wand und unterstützt so die Köperlage. Der Anfänger kann nun nach Belieben über Wasser ein- und unter Wasser ausatmen.

Vor- und Nachteile des Beinschlages an Land und am Beckenrand  
 

Beinschlagübungen an Land und am Beckenrand haben Vor- und Nachteile:

 Vorteile: Die Lern- und Übungssituation wird vereinfacht. Der/die Übende kann sich zu Beginn des Lernprozesses oder bei korrigierenden Maßnahmen sehr gut auf die Bewegungsausführung konzentrieren.

„Störfaktoren“, wie sie bei der Bewegung im freien Wasser zusätzlich zu bewältigen sind, können so ausgeschlossen bzw. minimiert werden. Der/die Übende hat gute Möglichkeiten zur Selbstkontrolle.

Dies kann gerade beim Lernen von neuen und komplizierten Schwimmbewegungen, die zudem in der realen Schwimmsituation nicht oder nur sehr eingeschränkt von dem Schwimmer oder der Schwimmerin beobachtet werden können, sehr informativ und hilfreich sein. Die Bewegungen können zum Teil auch im Sitzen durchgeführt werden. Der/die Übende kann seine Bewegung beobachten und sie selbst regulieren.

 Nachteile: Die Übungen bieten nur Informationen bzgl. des räumlichen Bewegungsmusters; es fehlen zwangsläufig alle Rückmeldungen, die aufgrund der Gegebenheiten im Wasser den Ablauf der Bewegungen regulieren und den Wirkungsgrad verbessern helfen.

Die wasserspezifischen Kräfteverläufe für vorbereitende und antreibende Bewegungen können an Land oder bei Bewegungen, die zwar im Wasser aber am Ort stattfinden, nicht erfahren werden.

Beinschlagübungen schwimmend  
Übungsbeispiel 4  
 

Wechselbeinschlag in Rückenlage: Die Hände paddeln unterstützend an der Hüfte mit. Der Kopf liegt auf dem Wasser auf.

Übungsbeispiel 5  
 

Wechselbeinschlag in Rückenlage mit Schwimmbrett: Das Brett als „Kopfkissen“ zu nutzen, ist zunächst einfacher. Schwieriger wird es, wenn die Arme mit dem Schwimmbrett gestreckt werden. Der Kopf liegt immer auf dem Wasser auf. Die Beine/Füße sind eingedreht.

Übungsbeispiel 6  
 

Wechselbeinschlag mit Schwimmbrett: kurze Strecke ohne Atmung schwimmen. Flache Körperlage – Gesicht im Wasser. Die Benutzung des Schwimmbretts hilft, die Aufmerksamkeit auf die Durchführung des Beinschlages zu lenken.

Übungen für den Armzug  
Übungsbeispiel 7  
 

Vorwärtsgehen im Flachwasser mit Armzugunterstützung: Der Oberkörper ist leicht vorgebeugt. Die einfache Übungssituation erlaubt eine leichte Aufmerksamkeitslenkung auf

  • die alternierende Bewegung (Hand über Hand)
  • das Vorgreifen/Vorschwingen mit hohem Ellenbogen
  • das schulterbreite Eintauchen der Finger (Zeigefingerkante)
  • den Druck an der Hüfte vorbei
  • ziehen – beugen – strecken
  • das Körperrollen
Übungsbeispiel 8  
 

Wechselarmzug mit Partnerunterstützung: Armzugübung in der Fortbewegung. Kurze Strecken ohne Atembewegung schwimmen (zum Atmen hinstellen). Der Partner unterstützt die Wasserlage, beobachtet den Schwimmer und gibt während der Atempause Rückmeldungen.

Variation:
Der Stab kann durch die verschränkten Arme von zwei Partnern ersetzt werden.

Übungsbeispiel 9  
 

Armzugschwimmen mit Auftriebshilfe: Kurze Strecken ohne Atembewegung schwimmen (zum Atmen hinstellen). Die Nutzung von Auftriebshilfen verhindert das Absinken der Beine: Pull-Buoy oder Schwimmbrett zwischen die Oberschenkel klemmen. Siehe auch die vorherige Partnerübung.

Übungsbeispiel 10  
 

„Hühnchenflügel“-Schwimmen: Das übertriebene Rollen im Schultergürtel vermittelt Bewegungserfahrung für den hohen Ellenbogen beim Vorschwung über Wasser. Die Hände greifen in die Achselhöhlen. Nur kurze Strecken ohne Atmung schwimmen, dann „normal“ weiterschwimmen.

Übungsbeispiel 11  
 

Schulterbreites Eintauchen der Hand: Das Schwimmbrett dient als Orientierungshilfe. Die Position des Schwimmbrettes verhindert ein Übergreifen der Eintauchhand über die Körpermittelachse hinaus.

Übungsbeispiel 12  
 

Hand und Schulter beim Eintauchen vorschieben: Eine Hand fixiert ein Schwimmbrett in Vorhalte. Die andere Hand führt den Armzug durch. Das Brett dient als Orientierungshilfe. Die eintauchende Hand soll weit unter das Brett vorgeschoben werden. Das Vorschieben der Schulter folgt automatisch. Das Rollen zum Eintaucharm wird intensiviert. Der eintauchende Arm wird gestreckt, bevor die Zugphase beginnt. Nach drei bis vier Zyklen das Brett in die andere Hand wechseln.

Übungen für die technikspezifische Atembewegung  
Übungsbeispiel 13  
 

Kraul-Atembewegung – allein: Schrittstand mit vorgebeugtem Oberkörper. Die Atembewegung des Kopfes wird mit den Bewegungen des „Atemarmes“ abgestimmt. Hinweis: Die Einatmung erfolgt, wenn Schulter und Ellenbogen nach oben zeigen.

Übungsbeispiel 14  
 

Partnerübung „Spiegel“: Hinweise: sich ansehen beim Einatmen; die Ausatmung beginnt, wenn die Fingerspitzen die Wand berühren.

Übungsbeispiel 15  
 

Kraul-Atembewegung einarmig: Nur der „Atemarm“ wird bewegt. Der andere Arm liegt in Vorhalte und gestreckt auf dem Wasser. Er dient als Gleitarm. Ein Partner stabilisiert die Körperlage. Dies kann auch erreicht werden, indem ein Schwimmbrett oder ein Pull-Buoy zwischen die geschlossenen Oberschenkel geklemmt wird.

Übungsbeispiel 16  
 

Kraulatmung „“ im „Zweier-Rhythmus“: Die Kopf-/Atembewegung wird in den Wechselarmzug integriert; z. B. Zweierzug: rechts einatmen und links ausatmen. Der Partner stabilisiert die Körperlage, beobachtet und gibt Rückmeldungen.

Übungen für die Einbindung aller Teilbewegungen in die Gesamtbewegung  
Übungsbeispiel 17  
 

Aufbau der Gesamtbewegung zunächst noch ohne Atmung: Abstoß – gleiten – Beinschlag – den Armzug zuschalten.

Übungsbeispiel 18  
 

Aufbau der Gesamtbewegung zunächst noch ohne Atmung: Abstoß – gleiten – Beinschlag – den Armzug zuschalten – die Atmung zuschalten. Ein- bis zweimal atmen, hinstellen und neu beginnen.

 

Eine Auswahl von weiteren Übungsformen und Bewegungshilfen für das Techniktraining des Kraulschwimmens

Die Informationen erfolgen durch Anweisungen, Übertreibungen, Anweisungen mit Körper- bzw. Umfeldbezug, bildhaften Vorstellungen (Metaphern), Gefühlen, taktil.

Beinschlagübungen in Rücken- und Bauchlage –
Übungen zur Wasserlage
  • Kontrastübungen:
    Kopf in den Nacken – Kopf bzw. Kinn zur Brust
    (Übungen mit u. ohne Brett ausführen)
  • Den Kopf/das Gesicht auf das Wasser legen
  • In Rückenlage: das Wasser als Kopfkissen nutzen
  • In Rückenlage:
    Bauch/Hüfte zur Decke drücken (evtl. als Übertreibung)
  • In Rückenlage:
    Das Kinn zur Brust hin beugen (evtl. als Übertreibung)
  • In Bauchlage:
    Das Gesicht auf das Wasser legen und zählen 1,2,3... (Ausatmung)
  • Die Ohren mit den Oberarmen einklemmen (Übung für die Gleitlage)
  • Beinschlag mit gestreckten, gebeugten Beinen (Kontraste)
  • Beinschlag 5-6 Zyklen, dann zwei Armzüge anschließen
  • Beinschlag in Rückenlage, Brett über die Beine/Knie schieben
Übungen für den Armzug und die Gesamtbewegung des
Kraulschwimmens
  • Wechselzug mit unterschiedlichen Atemrhythmen
  • Die Zugphase gestreckt beginnen, dann beugen, während der Druckphase strecken
  • Übertriebenes Rollen in Abstimmung mit der Kopfdrehung zur Einatmung
  • Über Wasser „Schulter hoch“ u. „Ellbogen hoch“ (Rollen in Verbindung mit Einatmung)
  • Kraulschwimmen: sich vorstellen, beim Vorschwingen über einen quer liegenden Baumstamm zu greifen (übt die Rollbewegung: „Schulter hoch“ u. „Ellbogen hoch“)
  • „Hühnchenflügel“-Schwimmen (übt die Rollbewegung: „Schulter hoch“ u. „Ellbogen hoch“)
  • Enger Tauchzug:
    doppelter Kraularmzug – Antriebsbewegung unter Wasser
  • Einarmig schwimmen (die andere Hand hält ein Schwimmbrett)
  • 3-4 Zyklen mit dem rechten Arm, 3-4 Zyklen mit dem linken Arm schwimmen. Der Wechsel findet statt, wenn beide Arme ausgestreckt nebeneinanderliegen.
  • Abschlagschwimmen Der Wechsel findet statt, wenn beide Arme ausgestreckt nebeneinanderliegen.
  • Die Druckphase betonen (Vorstellungen: „einen Hintermann nass spritzen“, „die Hand fliegt aus dem Wasser“, „ein Gewicht wegwerfen“)
  • Das Körperrollen betonen („durch ein Fenster einatmen“ oder „nach dem Aushub schlägt die Handfläche zunächst auf das Wasser ehe sie nach vorne schwingt“)
  • Tandem kraulen
    (Partner hängt sich an die Beine und lässt sich ziehen)
  • Übertriebene Vorstellungen für hohen Ellenbogen: „Einen Reißverschluss an der Seite zuziehen“, „die Hand aus der Hosentasche ziehen“, „der Daumen streichelt/kitzelt Hüfte und Rippen“ (Fingerspitzen streifen das Wasser)
  • Dicht an der Wand entlang schwimmen (Ellbogen hoch)
  • Eintauchbreite übertreiben
    („weit außen eintauchen“ oder „weit nach innen orientieren“)